Eine Sauna zu besitzen ist für viele Eigenheimbesitzer ein Traum. Für solch ein massives Vorhaben sucht man sich nicht irgendein Unternehmen sondern eines, dass die nötige Erfahrung und Kompetenz mitbringt, wie die Bertschi Sauna GmbH in Arisdorf. 1930 wurde die eigentliche Schreinerei von Christian Bertschis Grossvater in Riehen bei Basel gegründet. Ab 1958 wandelte sich das Unternehmen zu einem Spezialbetrieb, unter anderem auch für Saunas und gilt daher als wahrer Pionier dieser Branche. Christian Bertschi übernahm 1983 das Unternehmen von seinem Vater und stellte den Vertrieb der Saunas 5 Jahre später auf die Blockbohlensauna um, ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Schweizer Saunabaus. Das Konzept der echtfinnischen Saunas überzeugte nicht nur unzählige private Kunden sondern auch gewerbliche Anbieter wie etwa das “sole uno” in Rheinfelden. Der Erfolg seines Konzeptes, nämlich vollständig auf Blockbohlensaunas und damit auf ein angenehmes Klima zu setzen, gaben Christian Bertschi recht. So ist es kein Wunder, dass das Unternehmen in der Schweiz zur Spitze der Anbieter von finnischen Massivholzsaunas zählt. Bertschi selbst trat 2016 aus gesundheitlichen Gründen in den Hintergrund und übergab seinem langjährigen Mitarbeiter Christian Rösch die Leitung seines Traditionsbetriebes, welches weiterhin für hochqualitative Spitzenprodukte steht. Die Redaktion von Spektrum Bau hatte nun die Gelegenheit mit dem Saunapionier Christian Bertschi zu sprechen. Nicht nur über seine Leidenschaft für den Saunabau, sondern auch über die Technisierung in seiner Branche, fragwürdige Trends und nicht zuletzt über das ideale Saunaklima. Sie dürfen gespannt sein.

 

Interview mit Christian Bertschi, ehmaliger Inhaber der Bertschi Handels AG

 

IMG_1195Spektrum Bau: Eine Sauna bleibt für viele Leute ein finanziell unerschwinglicher Traum oder sie greifen zu billigen Produkten. Wird dort am falschen Ende gespart?
Christian Bertschi: Meiner Meinung nach ja, ganz klar. Die Leute wollen einfach eine Sauna und kaufen sich dann einen sogenannten “Schichtbau”, das ist aber nicht das Richtige. Man kann ganz klar sagen, eine Sauna ist nicht gleich eine Sauna. Wir unterscheiden heute zwei Systeme: Die Schichtbau-Sauna mit einem 13-15 mm starken Innentäfer mit einer Aluminiumfolie und Isolation, sowie die Blockbohlen-Sauna, bei der die Saunawand aus massivem Holz besteht, was atmungsaktiv und klimaregulierend wirkt. Bei unseren Produkten ist es so: Wir verwenden keine Aluminiumfolien, weshalb das Saunaklima ideal ist. Gerade bei den klassischen Aufgüssen fühlt man sich bei den Saunas die wir anbieten, sehr wohl. In mit Folien isolierten Kabinen fühlt man sich jedoch schnell unwohl und möchte schnellstmöglich raus gehen, so ein Erlebnis wünsche ich wirklich keinem.

 

Spektrum Bau: Sie haben ein weiteres Problem bei manchen Saunabesitzern angesprochen: Ein unangenehmes Klima. Sind dies Konstruktions- oder Montageprobleme?
Christian Bertschi: Das Problem liegt hier beim Aufbau. Wir sprechen hier von sogenannten Dampfsperren, einer Aluminiumfolie, welche vertäfert wurde. Wenn man hingegen eine Massivholzsauna hat, spricht man von einem Blockbohlenbau. Diese zwei Konzepte lassen sich in keiner Weise miteinander vergleichen, da bei einer Massivholzsauna keine künstliche Isolation vorhanden ist. Schlussendlich ist das Holz Matchentscheidend für das Klima in einer Sauna, da der Wärme- und Feuchtigkeitsaustausch vom Holz ausgeht. Wenn wir also nur eine 13-15 Millimeter dicke Holzschicht und danach eine Alufolie haben, kann diese natürliche Klimatisierung gar nicht richtig funktionieren.

 

IMG_1182Spektrum Bau: Sie verwenden für Ihre Saunen finnisches Holz. Weshalb eignet sich Schweizer Holz nicht so gut für den Saunabau?
Christian Bertschi:
Grundsätzlich wächst das Holz in der Schweiz zu schnell und eignet sich deshalb nicht für den Saunabau. In Finnland herrschen im Winter Temperaturen von bis zu -40° C, weshalb das Holz im Winter nicht wächst. Die Jahrringe sind entsprechend sehr eng und fein im Holz gewachsen. Auch ist die Struktur sehr gleichmässig, was am Klima in Finnland liegt. Die Temperaturen bewegen sich dort Jahr für Jahr etwa auf dem gleichen Level, in der Schweiz hingegen kann es durchaus mal sehr warme Winter geben, was das Wachstum des Holzes fördert und die Jahrring-Verteilung unregelmässig macht. Dies ist für unsere Saunen aber nicht ideal, weshalb wir auf echtfinnisches Holz zurückgreifen.

 

Spektrum Bau: Was hat es mit dem SYSTEM MAJAVA auf sich?
Christian Bertschi: MAJAVA ist das finnische Wort für Biber und bezeichnet bestimmte Teile, die bei unseren Produkten patentiert sind wie beispielsweise der Ofen, das Klima, das Holz und die Spannvorrichtung. Das System ist ausserdem weltweit geschützt, so können sich die Kunden sicher sein, nur das Beste vom Besten zu erhalten ohne Abstriche hinnehmen zu müssen. Die erwähnten Teile sind bei einer B+S Finnland Sauna exklusiv eingebaut und bei handelsüblichen Exportsaunas nicht vorhanden. Wenn wir das Beispiel Holz nehmen, wird bei unseren Produkten ausschliesslich Kernholz verwendet. Im Gegensatz zu Splintholz wird die Wärme im Kernholz besser aufgenommen und auch wieder abgegeben, was auch für das angenehme Klima mitverantwortlich ist.

 

IMG_1179Spektrum Bau: Man stellt sich Saunas meist als hölzerne Kammern vor, die sich schwer in moderne Badezimmer integrieren lassen. Was für Designoptionen und Individualisierungsmöglichkeiten bietet Ihre Finnlandsauna?
Christian Bertschi: Unsere Saunas bestehen grundsätzlich immer aus Massivholz. Natürlich verwenden wir auch Glas als gestalterisches Element, machbar ist dies jederzeit, aufgrund der Massivholz-Bauweise jedoch aufwändig zu Bauen und entsprechend etwas kostenintensiver. Als Richtlinie sagen wir immer: 20% Glas in einer Sauna ist ok, alles darüber ist dem Klima abträglich und lohnt sich daher für ein einwandfreies Saunabaden nicht mehr.

 

Spektrum Bau: Was hat die zunehmende Technisierung und Digitalisierung dem Saunabau gebracht?
Christian Bertschi: Der Saunabau an sich ist zwar eher ein klassisches Handwerk, machbar ist jedoch vieles. Rein von der Konstruktionsweise her hat sich natürlich auch einiges getan, ein Schrägdach bei einer Aussensauna ist heute überhaupt kein Problem mehr. Aus meiner Sicht hat jedoch alles seine Grenzen, also trotz immer neuer und durchaus interessanten Entwicklungen auch im Baustoff-Bereich ist die Massivholzform unserer Saunas unantastbar. Zusätzlich kann man sagen, dass das eigentliche Innenleben einer Sauna, also der Ofen und die Steuerung sich ganz klar weiterentwickelt haben. So ist heutzutage eine Sauna-Steuerung per App verfügbar, mit welcher man seine Sauna beispielsweise vorheizen kann.

 

Spektrum Bau: Was sind aktuelle Trends beim Saunabau? In welche Richtung wird sich Ihrer Meinung nach die Sauna als Teil der Wellnessrevolution weiterentwickeln?
Christian Bertschi: Gerade beim Schichtbau gibt es gewisse Trends die man verfolgen kann, beispielsweise die häufigere Verwendung von Glas, das wir oben angesprochen haben. Man hat heutzutage die Tendenz, alles Neue sofort als das Nonplusultra zu betrachten. Wir sind da etwas vorsichtiger und mahnen unsere Kunden entsprechend zur Vorsicht. Auch wir bewerten Neuheiten individuell und schauen, ob es in unsere Produktpalette passen könnte, jedoch bleibt das Saunaerlebnis für uns im Vordergrund und nicht der äussere Schein. Klar können auch wir Saunas bauen, welche vom äusseren Erscheinungsbild her in ein modernes Wohnzimmer passen würden, es gilt allerdings ganz klar zu bedenken, ob diese Konstruktionen dann noch einen Sinn ergeben.

 

IMG_1185Spektrum Bau: In Ihrer Firma gab es in letzter Zeit einige Umstrukturierungen. Was hat sich geändert?
Christian Bertschi: Ich als halber Finne bin mit Leib und Seele Saunabauer und habe mich bereits vor langer Zeit für den Saunabau aus Massivholz entschieden und stehe nach wie vor hinter diesem grossartigen Konzept. Aus gesundheitlichen Gründen kann ich jedoch meine Passion nicht mehr im gewohnten Masse ausführen, weshalb ich die Leitung des Saunabaus an Herr Christian Rösch übertragen habe. Mit ihm arbeite ich seit mehr als 10 Jahren zusammen, entsprechend verfügt er über das nötige Know-how und weiss wohl wie kein Zweiter auf was es in dieser Brache ankommt. Ich kann mir sicher sein, dass er mein Ziel, die beste auf dem Markt erhältliche Sauna anzubieten, auch weiterhin erfüllen wird.