© Ben Zurbriggen Fotografie, Unterer Kanalweg 23, CH-2560 Nidau, Switzerland

Gemeinderat, Kantonsrat, Nationalrat. Urs Hanys Politkarriere ist beeindruckend und zeichnet ihn als Vollblutpolitiker aus. Ebenso gewaltig ist indes seine Verbundenheit mit der Baubranche: Nebst seinem Mandat als Präsident von Infra Suisse ist er zusätzlich Vizepräsident des Schweizer Baumeisterverbands, Vorstandsmitglied bei bauenschweiz sowie Richter am Zürcher Baurekursgericht. Man kann also getrost sagen, dass Urs Hany zu den profiliertesten “Baupolitikern” der Schweiz gehört. Sie dürfen sich auf ein spannendes Interview über die politische Zukunft des Infrastrukturbaus freuen. Sein grosses Wissen über aktuelle Vorkommnisse in der Baubranche ist in der ganzen Schweiz bekannt, weshalb die Redaktion von Spektrum Bau einen speziellen Dank an Urs Hany aussprechen möchte, da er sich bereitwillig unseren Fragen gestellt hat.

 

Interview Urs Hany, Präsident von Infra Suisse

 

24625035675_d8dc1b1c67_oSpektrum Bau: Sie gelten als einflussreicher Politiker mit einer grossen Verbindung zum Bauwesen. Woher kommt Ihre Leidenschaft für diese zwei Gebiete?
Urs Hany:
Ursprünglich habe ich eine Lehre als Bauzeichner absolviert und ging danach an die Fachhochschule in Winterthur an der ich mich bereits auf Spezialtiefbau, Grundbau & Tunnelbau spezialisiert habe. Später habe ich zusätzlich eine Ausbildung an der ETH als Fachhörer in den Bereichen Grundbau, Bodenmechanik, Felsbau, Tunnelbau, etc. gemacht. Diese umfassende Studien haben meinen Weg vorgespurt. Ich war danach vorerst als Bauleiter in einem Ingenieurbüro tätig. Schliesslich habe ich mit Kollegen eine eigene Bauunternehmung gegründet und stand dieser Firma auch während 25 Jahren vor. In der Politik wurde ich schon sehr früh von meinem Vater geprägt welcher zwar nie ein politisches Mandat innehatte, aber stark an der Materie interessiert war, woraus sich viele interessante Gespräche zwischen uns entwickelt haben. Ich bin dann früh der CVP beigetreten und wurde dann in meiner Wohngemeinde zuerst in die RPK, danach zum Gemeinderat, Kantonsrat und schliesslich Nationalrat gewählt. Auch heute bin ich noch bei verschiedenen Gremien politisch tätig. Man kann also sagen, dass sich vieles einfach ergeben hat.

 

Spektrum Bau: Der NAF wurde unlängst vom Schweizer Stimmvolk angenommen. Was bedeutet dies für den Infrastrukturbau?
Urs Hany:
Dank dem NAF werden nun nicht mehr Jahr für Jahr Gelder für den Strassenbau gesprochen sondern es werden dem Parlament alle vier Jahre Projekte vorgelegt, welche von diesem abgesegnet werden. Auch bei allfälligen Verschiebungen hat man nun die nötige Flexibilität, diese Projekte während vier Jahren durchzuziehen. Das ergibt auch eine Planungs- und Ausführungssicherheit bei den Infrastrukturbauern, weshalb wir uns bei dieser sehr wichtigen Abstimmung stark engagiert haben.

 

schueler_computer-7Spektrum Bau: Infrastrukturbauten sind gefragt wie nie, man kann schon fast von einem Boom sprechen. Wird dieser Aufwärtstrend dank des NAF anhalten?
Urs Hany:
Grundsätzlich werden die Projekte besser verteilt, denn auch wenn wir jetzt drei Milliarden Franken jährlich für die Nationalstrassen und den Agglomerationsverkehr zur Verfügung haben, wird es dadurch keinen zusätzlichen Schub geben. Vielmehr wird es eine Ausführungssicherheit geben für Projekte, die bereits abgesegnet sind und noch werden. Es geht hier nicht mal zwingend um Neubauten sondern auch um den Unterhalt und die Sanierung. Diese werden aufgrund des höheren Verkehrsaufkommens massiv zunehmen. Es wird zwar Engpassbeseitigungen und Neubauten geben, aber die ganz grossen Projekte wurden bereits realisiert, schon allein aus Platzgründen können keine grossen Projekte wie beispielsweise eine A1 mehr gebaut werden. Ich bin überzeugt, dass ein Grossteil des Geldes zukünftig in den Unterhalt und die Sanierung bestehender Strassen fliessen wird.

 

Spektrum Bau: In der Vergangenheit wurde es versäumt, Unterhalts- und Erneuerungsarbeiten von Infrastrukturbauten zu berücksichtigen. Gehört dieses Problem nun der Vergangenheit an?
Urs Hany: Ich glaube, das ist bei den Nationalstrassen der Fall. Die nötigen Mittel stehen nun zur Verfügung. Ich stehe mit Fachleuten und Bundesämtern in Kontakt und bin überzeugt, dass dieses Problem zukünftig nicht mehr unterschätzt wird. Man muss allerdings auch sehen, dass der Unterhalt von Nationalstrassen kein so grosses Problem ist wie beim Schienennetz, welches mehr Gelder benötigt als ursprünglich geplant wurde. Auch in gewissen Kantonen und Gemeinden wird der langfristigen Werterhaltung der Strasseninfrastruktur zu wenig Aufmerksamkeit beigemessen.

 

Spektrum Bau: Die Energiestrategie 2050 steht als Nächstes zur Abstimmung. Was empfehlen Sie Ihren Verbandsmitgliedern in die Urne zu legen?
Urs Hany:
Ich persönlich werde ein Ja in die Urne legen. Der grosse Streitpunkt in dieser ganzen Debatte ist die Stromerzeugung: Eine Seite sagt, dass man mittel- bis langfristig doch wieder auf die Kernenergie zurückgreifen muss. Ich denke jedoch, dass das Schweizer Volk in den nächsten 30 Jahren keinesfalls ein neues Atomkraftwerk bewilligen wird. Man muss auch sehen, dass unsere Kernkraftwerke zwar betriebssicher sind, aber doch zu den ältesten der Welt gehören. In spätestens 30 bis 40 Jahren werden auch hier die letzten abgestellt werden, weshalb es bereits jetzt eine neue Strategie braucht, die uns den Weg weist. Ich hoffe sehr, dass das Schweizer Stimmvolk sich am 21. Mai für die Energiestrategie 2050 entscheiden wird.

 

Spektrum Bau: Was kann die Schweizer Politik tun, um die Bauwirtschaft besser zu unterstützen?
Urs Hany:
Ganz klar, indem die Politik mehr auf Infra Suisse und den Schweizerischen Baumeisterverband hört. Das ist auch eine unserer Haupttätigkeiten: Wir versuchen, die amtierenden Parlamentarierinnen und Parlamentariern für unsere Anliegen und Ansichten zu gewinnen. Unsere Branche ist im Parlament nicht zahlreich vertreten. Darum ist es wichtig, dass wir als Verband versuchen, Einfluss zu nehmen und so das Beste für die Bauwirtschaft zu erreichen. Das gelingt uns, auch dank meiner Beziehungen in Bundesbern. äusserst gut.

 

infra-sursee-infotag15-9041Spektrum Bau: Sie sind Richter am Baurekursgericht Zürich. Woraus besteht dort Ihre Aufgabe?
Urs Hany:
Das Baurekursgericht im Kanton Zürich ist ein Fachgericht mit vier Abteilungen und jede Abteilung verfügt über 4 Richterinnen oder Richter. Sobald beispielsweise gegen ein Bauprojekt Rekurs eingelegt wird, kommt der Fall vor unser Gericht. Da die allermeisten Richter am Baurekursgericht keine Juristen sondern Fachleute sind, werden die Fälle aufgrund von Fachwissen beurteilt. Uns Fachleuten stehen Juristen zur Seite, welche auch auf das Baurecht spezialisiert sind. Es gibt also eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen Juristen und Fachleuten. Schlussendlich entscheiden aber wir Richter, wer Recht bekommt. Das ist eine hochinteressante Aufgabe, die ich sehr gern ausübe.

 

Spektrum Bau: An der Infra Tagung sprachen Sie von Grabenkämpfen zwischen dem Strassen- und Schienenlager. Eine Neverending Story?
Urs Hany:
Ich könnte mir vorstellen, dass es aufgrund des klaren Abstimmungsergebnisses der NAF-Vorlage diesbezüglich nun ein wenig ruhiger wird. Es wird aber immer Leute geben, welche die Schiene bevorzugen wollen und umgekehrt solche, für welche die Strasse an erster Stelle kommt. Da wir nun sowohl für die Strasse als auch für die Schiene separate Fonds haben, gehe ich davon aus, dass die Diskussionen nicht mehr so intensiv geführt werden. Im Parlament wird es jedoch immer zu harten Debatten kommen, sobald neue Strassen gebaut werden sollen. Hier wird sich vor allem Links-Grün immer zu wehren wissen.

 

Spektrum Bau: Was sind in der nahen Zukunft die grössten “Baustellen”, welche Infra Suisse angehen muss?
Urs Hany: Grosse Baustellen in diesem Sinne gibt es keine, aber es gibt zwei sehr wichtige Punkte, für die sich Infra Suisse auch zukünftig einsetzen wird. Punkt eins ist das ganze Ausbildungswesen, welches mir persönlich sehr am Herzen liegt. Wir haben in Sursee unsere Berufsfachschule Verkehrswegbauer, an welcher die Lernenden von fünf Berufen aus der ganzen Deutschschweiz ausgebildet werden. Das ist eine der wichtigsten und für mich die schönste Aufgabe, welche Infra Suisse als Trägerverband dieser Ausbildungsstätte innehat. Die grossartige Aufgabe der Ausbildung muss und wird auch weitergeführt werden. Punkt zwei ist die politische Interessenvertretung unserer Mitglieder in der Politik und gegenüber Bauherren und Regulatoren. Daneben gibt es natürlich viele weitere Themen, bei denen wir unsere Augen und Ohren offen haben.