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Erdwärmesondenbohrungen sind fast schon eine Spezialdisziplin des Tiefbaus. Viele Unternehmen bieten diese Dienstleistung an, wenige erreichen die Professionalität und das persönliche Engagement der LSS Bohr AG. Bohrtechnisch und Energetisch bietet die Firma um Geschäftsführer Rudolf Leibundgut ein ganz besonderes Gesamtpaket für die Kunden, hochprofessionell ausgeführt und immer in enger Zusammenarbeit mit Planern, Installateuren und Bauherren. In diesem Interview sprechen wir über Erdwärmesondenbohrungen, die Auswirkungen eines trockenen Sommers, und die Auftragslage in dieser speziellen Baudisziplin.

 

Interview mit Rudolf Leibundgut, CEO LSS Bohr AG

 Spektrum Bau: ErdwärmesondenbohrungIMG_3367en sind ein spezielles Geschäft. Wie hat es bei Ihnen angefangen?
Gegründet wurde die Firma LSS Bohr AG im Oktober 2006 und gestartet haben wir im Juni 2007. Etwas Speziell daran ist, dass wir nicht aus der Erdwärmebranche resp. aus der Baubranche kommen, in unserem Betrieb stammen alle aus der Landwirtschaft. Seit dem Kennenlernen der Erdwärmebranche vor 12 Jahren interessiert mich diese Materie ungemein. Für mich ist es wichtig, dass unsere Firma einen hohen Dienstleistungsgrad erreicht, denn dadurch sind unsere Kunden zufrieden, und eher dazu bereit, etwas mehr Geld zu investieren, statt den günstigsten Anbieter zu suchen und die Arbeit unter mehreren Subunternehmern aufzuteilen. Da haben wir den Vorteil des Kleinunternehmens, denn ich bin die Ansprechperson für die Kunden von der Offerte bis hin zur Rechnung, also, nicht nur was das Kaufmännische, auch was das technische, das planerische und die Ausführung anbelangt, ist die Kundschaft bei mir und meinem Geschäftspartner, der als Bohrmeister fungiert, an der richtigen Stelle.

 

 Spektrum Bau: Wie viele Anlagen erstellen Sie pro Jahr?
Bezüglich der Anzahl der Bohrungen sprechen wir von rund 180 Bohrungen pro Jahr, wobei sich die Grösse der Projekte verändert hat, so waren es vor 7 Jahren noch etwa 120 Anlagen, inzwischen stehen wir bei 80 Anlagen pro Jahr. Das heisst, die ausgeführten Projekte wurden im Durchschnitt immer etwas grösser, also mehr Bohrungen pro Projekt. Bei den klassischen Einfamilienhäusern wird heutzutage nur noch selten gebohrt, es kommen vermehrt Luft-/Wasser-Anlagen zum Zug, hingegen entscheidet sich die Bauherrschaft bei Mehrfamilienhäusern sehr oft für eine Erdwärmesondenanlage resp. Sole-Wasseranlage. Wir sprechen Schweizweit von einem Gesamtmarktanteil von 35-40% Erdsonden, wobei ich davon ausgehe, dass sich dieser Anteil in den nächsten Jahre nicht mehr gross verändern wird.

 

 Spektrum Bau: Sie führen auch Brunnenbohrungen durch. Wie können wir uns das vorstellen?
Da wir prioritär im Bereich der Erdwärme zu Hause sind, konzentrieren wir uns auf die kleiner dimensionierten Grundwasserbrunnen (bis 4.5 Zoll), welche wir für Wasser-/Wasser-Wärmepumpen oder Wasserfassungen, z.B. bei Bauernhöfen, welche über zu wenig Wasser verfügen, installieren. In diesem extrem trockenen Jahr durften wir auf Bauernhöfen überdurchschnittliche viele Brunnen installierten, welche z.T. bis zu 100 Meter Tiefe reichen. Grösser Dimensionierte Anlagen bieten wir in Zusammenarbeit mit einem Partnerbetrieb an, der sich in diesem Bereich spezialisiert hat. Im Gegensatz zu den Kleiner dimensionierten Anlagen, sprechen wir bei den Gross dimensionierten Anlagen von Förderraten resp. Pumpenleistungen von bis zu 2’000 lt/min.

 

 Spektrum Bau: Denken Sie, dIMG_3346ass Brunnenbohrungen zur Grundwasserentnahme in Zukunft zunehmen werden aufgrund immer trockener werdender Witterung?
Die Frage die sich jetzt stellt ist, wie trocken der Herbst resp. Winter wird. Wenn wir natürlich tagelang Landregen haben, so dass sich die Grundwasserstände erholen können, gibt es auch in der Landwirtschaft eine Beruhigung der Situation. Sollte dies nicht eintreffen, gibt es ganz sicher nach wie vor ein grosses Potenzial an Ersatz resp. Ergänzung von Quell- oder Grundwasserfassungen. Gerade heute habe ich wieder einen Termin vereinbart, um auf einem Hof die Situation anzuschauen und die ideale Machbarkeit auszuloten. Ich mache übrigens niemals eine Blindofferte sondern gehe immer zuerst vor Ort schauen, wie sich die Situation präsentiert, erst danach kann ich eine seriöse Offerte vorlegen. Darin enthalten ist auch ein Worst-Case-Szenario, damit der Kunde auf alle Eventualitäten vorbereitet ist.

 

 Spektrum Bau: MIMG_3343omentan betreuen Sie ein spezielles Projekt in Gondiswil. Was hat es damit auf sich?
Es handelt sich hierbei um ein ehemaliges Bauernhaus, wobei bereits vor 25 Jahren Erdsonden gebohrt wurden. Nun wird eine neue Wohnung angebaut und da die Wärmepumpe auch ein gewisses Alter erreicht hat wird diese durch eine leistungsstärkere Variante ersetzt was bedeutet, dass die verbauten Erdsonden nicht mehr ausreichen um die benötigte Heizleistung zu erbringen.
Eine weitere spezielle Gegebenheit ist die Tatsache dass das Objekt keiner Wasserversorgung angeschlossen ist, was dazu führt dass wir etwa 40 Kubikmeter Wasser zuführen und über eine, von uns im Leistungspaket mit eingeschlossene, eigene Wasserversorg über Druckerhöhungsanlage sicherstellen um die Bohrungen auszuführen zu können. Bei dieser Anlage haben  wir zur einwandfreien Sicherstellung der Entzugsleistung die Sonden gemäss der heute gültigen Norm SIA 384/6 auf 50 Jahre Betriebsdauer simuliert, das heisst, die Entzugsleistung in die Zukunft berechnet, um eine Unterkühlung der Sonden zu vermeiden. Im Klartext will erreicht werden dass die Sonden nicht in den sogenannten Permafrost fallen.

 

 Spektrum Bau: Wie lange dauert die Ausführung bei einem Projekt von dieser Grösse?
Wir reden hier von 2x 240 Metern was im Normalfall etwa 2,5 bis 3 Tage in Anspruch nimmt. Wir sind also jeweils gar nicht lange vor Ort, was auf unsere einwandfrei funktionierende Logistik zurückzuführen ist, welche wir selber ausführen. Aufgrund dieser Tatsache können wir heute sehr effizient arbeiten, da alle einzelnen Schritte innerhalb unseres Teams abgesprochen werden, was eine einwandfreie Ausführung nach sich zieht.

 

 Spektrum Bau: Wie steht es denn um die Auftragslage bei Ihrem Unternehmen?
Wir sind bereits heute bis zum Februar 2019 ausgebucht, weshalb wir praktisch keine kurzfristigen Aufträge mehr annehmen können. Das ist natürlich ein gutes Zeichen und ich nehme an, dass die persönliche Betreuung und die Qualität der Arbeiten geschätzt wird und dies durch die Mund zu Mund Propaganda auch weitererzählt wird. Natürlich erfordert dies auch ein gewisses Mass an Planung, denn bohren kann man grundsätzlich das ganze Jahr. Wenn also bereits heute jemand weiss, dass er im 2019 eine neue Heizung einbauen möchte dann können wir auch während den Wintermonaten bereits bohren und die Installation nach der Heizperiode vornehmen.

 

 Spektrum Bau: Bei so einer Auslastung stellt sich die Frage, ob Sie den Betrieb nicht bald vergrössern müssen?
Wir haben vor einigen Jahren entschieden, dass wir die Firma nicht vergrössern werden, was bis heute seine Gültigkeit behalten hat. Wenn wir jedoch weiterhin so gut ausgelastet sind und die Nachfrage so enorm bleibt werden wir uns nochmals überlegen müssen, ob wir nicht doch eine zweite Maschine inklusive Bohrmannschaft auf die Beine stellen möchten. Wir mussten auch dieses Jahr einige Bohrungen an externe Unternehmen weitergeben, was sich in solch herausragenden Zeiten natürlich gut anfühlt, es kann sich jedoch auch schnell wieder ändern. Jedoch kann ich heute sagen, dass ich felsenfest davon überzeugt bin, dass die Auftragslage in der Schweiz in den nächsten 6 bis 10 Jahren ungebrochen hoch sein wird. Dies auch, da zahlreiche Gebäude neu saniert werden müssen, was neben den Neubauten ein beachtliches Volumen nach sich zieht. Ich rechne also damit, dass uns die Arbeit nicht ausgehen wird.ds